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Grand Avenue im Cycamp Interview PDF Drucken E-Mail
Grand Avenue im Cycamp Interview

Grand Avenue, bei uns ein Neuzugang im musikalischen Bereich, in ihrer Heimat Dänemark schon längst zu festen Größen herangewachsen, beehrten das Wiener Flex. Mit ihrem dritten Album "The Outside", ihrer ersten internationalen Veröffentlichung, durften sie im Vorprogramm ihrer Landsmänner von Saybia glänzen. Sänger Rasmus, Gitarrist Niels-Kristian. Bassist Marc und Drummer Hjalte wurden von Cycamp Redakteurin Annemi Treiber vors Mikrofon gebeten und zeigten sich von einer äußerst humorvollen Seite.

Annemi: Vor ein paar Wochen wart ihr bereits in Österreich zu Gast, habt einen Gig in der Szene Wien gespielt. Hat euch das österreichische Publikum denn so willkommen geheißen, oder seid ihr mit gemischten Gefühlen wieder zu einem Konzert nach Österreich gefahren?

Rasmus: Ach, wir haben nie Angst vorm Publikum. Das Live spielen ist ja genau das, was uns extrem große Freude bereitet und wir wollen soviel wie möglich spielen. Das letzte Mal als wir hier waren, waren die Leute sehr nett zu uns.

Annemi: In eurer Biografie steht, dass ihr euch alle in der London School of Music getroffen habt. Wie kommen 4 Dänen dazu, gerade nach London zu gehen, wo Skandinavien als Musikboden so fruchtbar ist?

Niels-Kristian: Man geht einfach in eine Stadt um neue Leute und Dinge kennen zu lernen.

Allgemeines Gelächter bricht aus, und die restlichen Bandmitglieder entschuldigen sich für die dürftige und anscheinend laut ihren Aussagen leicht betrunkene Aussage des Bandkollegen.

Rasmus: Sorry, aber er schafft es einfach nicht einen sinnvollen Satz zu sagen. (Zu seinem Bandkollegen) Ist wohl besser wenn du das restliche Interview ruhig bist.

Niels-Kristian: Sorry. Irgendwas wollte ich sagen, aber ich habs vergessen. Ok, ich bin schon ruhig.

Der Herr Kollege kanns dann doch nicht lassen und nützt die Gunst der Stunde um noch einen Witz zu reißen

Niels-Kristian: London is a good city man! (Wieder bricht allgemeines Gelächter aus)

Rasmus: Nein, aber jetzt ernsthaft. Die Regierung bot eine Art Alternative zum herkömmlichen Ausbildungsplatz an, wo man einfach Geld bekam um nach London zu gehen um Musik zu machen. Für uns war das eine gute Möglichkeit mal aus Kopenhagen raus zu kommen, na ja um ein paar verrückte Dänen zu treffen. (die Band schaut sich gegenseitig an und beginnt zu lachen). Die Schule dauerte ja nur ein Jahr. Ich bin dort für 4 Jahre geblieben und habe da bei einer anderen Band gespielt.

Marc: Wir waren 18 oder 19 damals und wollten einfach weg von zu Hause. Ich glaube das war der Hauptgrund um nach London zu gehen.

Annemi: Warum ist die restliche Band nicht in London geblieben?

Niels-Kristian: Ich habe dort keine Leute getroffen, die mit mir spielen wollten.

Rasmus: Wundert mich bei dir gar nicht. (lacht)

Marc: Naja, wir haben ja dort mal zusammengespielt, aber es war, wie soll ich sagen "Scheiße".

(alle lachen)

Hjalte: Wir wären gerne dort geblieben aber London ist eben eine sauteure Stadt. Und die finanzielle Unterstützung von der Regierung hat nicht gereicht um länger dort zu bleiben, also mussten wir wieder in die Heimat.

Rasmus: Ich habe dort in einer Bar gejobbt und quasi Geld von anderen Leuten gestohlen.

"... ich hatte mein eigenes kleines "Robin-Hood Business"..."

Annemi: Nein, hast du nicht?

Rasmus: Auf eine gewisse Art und Weise schon. Ich bin immer zu Sainsburys (Anm.:Lebensmittelkette in Großbritannien) gefahren um mir dort billigen Wodka zu kaufen. Habe dann den billigen Wodka in die Flaschen vom teuren Wodka gefüllt und den dann eben für den teuren verkauft. Und das Geld was sozusagen zuviel bezahlt wurde, habe ich in meine eigene Tasche gesteckt. Also ich hab ja nicht richtig gestohlen, sondern nur mein eigenes kleines "Robin Hood" Business in der Bar betrieben. Niemand ist zu schaden gekommen.

Niels-Kristian: Dann kam er zurück nach Dänemark, und wir haben angefangen Rock´n`Roll zu spielen.

(allgemeines Gelächter)

Niels-Kristian: Sorry, ich sollte nicht reden (lacht).

Rasmus: Nach vier Jahren London kam ich zurück und begann an Songs zu arbeiten. Ich habe dann die Jungs angerufen und wir fingen an gemeinsam Musik zu schreiben. Da fällt mir ein, ich hätte dich nicht anrufen sollen (blickt zu Niels Kristian).

(alle lachen)

Rasmus: Und Marc war ein sehr guter Bassist, deswegen habe ich mich bei ihm gemeldet.

Nils-Kristian: Er hat einfach nur gut ausgesehen und einen netten AMP, deswegen haben wir ihn angerufen.

(alle lachen)

Annemi: Verstehe, als Bassist braucht man also wirklich nur gutes Equipment?

(alle lachen)

Marc: Tja, so ist es anscheinend.

Ramsus: Das ist wie bei Paul McCartney gewesen. Der hatte doch auch nur eine lässige Bassgitarre, deswegen durfte er bei den Beatles einsteigen.

Marc: Ich weiß, und er konnte nur einen Akkord spielen.

(alle lachen)

... da reisen 20 Leute miteinander durch Europa die sich gut kennen, das ist wie eine private Party jeden Tag..."

Annemi: Mit "The Outside" veröffentlicht ihr bereits euer drittes Album, aber euer erster internationaler Release. Wie läufts?

Marc: Es läuft relativ gut. In den USA und Großbritannien ist es ebenfalls veröffentlicht worden, aber momentan konzentrieren wir uns auf Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Rasmus: Was wir dafür machen ist, dass wir extrem viele Gigs spielen. Es läuft leider nicht wie bei einer Popband, die auf allen Radiostationen gespielt wird und somit sofort bekannt wird. Wir werden das restliche und das nächste Jahr damit verbringen uns die Finger wund zu spielen um mehr Popularität zu erreichen. Wir werden also zurück nach Österreich kommen. (lacht)

Annemi: Ihr tourt gerade mit einer wirklich guten Band (Saybia) durch Europa.

Rasmus: Ja, sie sind Freunde von uns und eine "fucking really good band". Du musst dir vorstellen, da reisen 20 Leute miteinander durch Europa die sich gut kennen, das ist wie eine private Party jeden Tag.

Annemi: Aber das ist bei euch nicht so wie bei der Marine?

(kurze Stille)

Nils-Kristian: Nein, nein, nein. Nicht so was. Kein "hanky panky" - Scheiß.

(alle lachen)

Nils-Kristian: Nur im Bus, mit Bier und so. (wird rot, beziehungsweise ist das nicht mehr auszumachen, weil er seit Beginn des Interviews mit einem hochroten Kopf dasitzt)

Rasmus: Hey, was redest denn da.

(alle lachen)

Annemi: Naja, es gibt ja auch Backstage Räume. Aber lassen wir das Thema.

(alle lachen)

Rasmus: Was haben denn die Saybia Jungs über uns gesagt?

Annemi: Keine Panik, sie haben keine schmutzigen Geschichten über euch erzählt. Sie sind ganz begeistert von euch

Rasmus: Ja, das sind ja auch wirklich nette Jungs.

(Der liebe Fotgraf/Redakteur Philipp meldet sich zu Wort und erzählt den Grand Avenue Jungs, dass die Burschen von Saybia eine sehr gute Zeit hatten als sie durch die Niederlande fahren mussten.)

Rasmus: Ah, wegen dem "Rauchen". Ja, die ganze Saybia Crew poffelt sich da immer im Tourbus ein.

Marc: In Holland waren sie überglücklich, da haben sie von 9 Uhr Früh bis (überlegt kurz) 9 Uhr Früh geraucht. Das war der Wahnsinn für sie.

(alle lachen)

"... zu dem Zeitpunkt musste ich immer das letzte Geld zusammenkrtzen um mir etwas zu Essen zu kaufen ..."

Annemi: Was denkt ihr denn persönlich und musikalisch über Saybia?

Marc: Sie waren sozusagen am selben Level wie wir als sie ihren Plattenvertrag bekamen, das war ca. ein Jahr vor uns. Ihr erstes Album war damals ein Riesenerfolg in Dänemark.

Rasmus: Ich erinnere mich, dass mich das ziemlich wütend gemacht hat, weil ich mir immer gedacht habe: "Das hätten wir sein sollen. Das ist unser Erfolg. Die nehmen uns alles weg". Die ganzen Grammys und anderen Scheiß haben sie uns weggenommen. (lacht). Jetzt sind wir Freunde, aber damals hatten sie eben all das was wir auch wollten. Ein Jahr später kam dann unser Album raus.

Marc: Ja, wir haben uns immer gefragt warum gerade sie.

Rasmus: Zu dem Zeitpunkt musste ich immer das letzte Geld zusammen kratzen um mir etwas zu essen zu kaufen.

Niels-Kristian: Damals hatten wir noch keinen Plattenvertrag.

Rasmus: Ja, und immer musste man sich sie immer anhören und dachte mir immer Scheiß-Saybia.(verzieht das Gesicht und ballt seinen rechte Hand zu einer Faust und beginnt zu lachen).

Hjalte: Aber sie unterstützen uns, und wir sind glücklich, dass wir mit Ihnen auf Tour gehen durften. Ich denke wir haben ein ähnliches Zielpublikum.

Rasmus: Wir rocken nur ein bissl mehr. (lacht)

Annemi: Was war denn eigentlich der erste Track, den ihr für "The Outside"geschrieben habt und welchen Einfluss hatte dieser auf die restlichen Songs am Album?

Niels-Kristian: "You Please Me" war der erste Song den wir geschrieben hatten. Wir sind damals für eine Weile nach England gegangen um ein paar Songs aufzunehmen und "You Please Me" ist dabei als erster entstanden und war ausschlaggebend dafür in welche musikalische Richtung das Album gehen sollte.

Marc: Das ist ca. 8 oder 9 Monate passiert bevor wir das Album mit Richard Rainey (Anm.: hat schon mit U2 gearbeitet und einen Grammy für "All that you can leave behind" kassiert) aufgenommen.

Rasmus: Unser Manager drückt ihm immer wieder etwas von den Bands die er betreut in die Hand. Wir waren die ersten bei der Richard Rainey angebissen hat und unbedingt etwas machen wollte.

"... mein AMP ist explodiert, Rasmus und Hjalte waren komplett betrunken. Das war das schlechteste Konzert das wir jemals gespielt hatten ..."

Annemi: Wie habt ihr es eigentlich geschafft international veröffentlicht zu werden?

Rasmus: Als wir unseren Plattenvertrag unterschrieben haben, dachten wir dass das ein einfaches Unterfangen wird weil wir bei einer großen Plattenfirma unterschrieben haben, dem war aber nicht der Fall. Bevor wir unser drittes Album aufgenommen haben sind wir selber nach London geflogen und uns bei den Typen von EMI London vorgestellt. Die hatten natürlich noch nie von uns gehört. Aber sie hben uns unseren jetztigen Manager vermittelt. Als wir ein Konzert dort gespielt haben, ist er vorbei gekommen um uns anzusehen.

Niels-Kristian: Das war das schlechteste Konzert das wir jemals gespielt haben. Mein AMP ging kaputt. Rasmus und Hjalte war komplett betrunken. Momentan mache ich zwar den Eindruck als wäre ich immer der Betrunkenste in der Band (lacht), aber die zwei Typen haben mich da um längen geschlagen. Als dann noch mein AMP quasi explodiert ist, dachte ich jetzt ist alles aus. Nach dem Konzert sagte er dann lustigerweise, dass er uns sehr gut fand und mit uns arbeiten wollte.

(alle lachen)

Rasmus: (zu seinem Kollegen Niels Kristian) Stell dir mal vor du hättest das Interview alleine gemacht. Das wäre doch komplett in die Hose gegangen.

Annemi: Schade, dass wir keine Kamera dabei haben wo wir das ganze hätten filmen können.

Niels-Kristian: Du könntest ja die Aufnahmen auf myspace veröffentlichen und dazu schreiben, dass das so ein abgewrackter Typ ist den du da interviewt hast.

(alle lachen)

Annemi: Gabs in eurer Karriere schon irgendwelche Auszeichnungen die ihr bekommen habt?

Rasmus: Ich glaube wir werden mal enden wir Martin Scorsese, ewig lange keinen Oscar bekommen. Persönlich gebe ich nicht viel auf Auszeichnungen. Aber haben will ich schon mal einen Award (lacht). Als Saybia uns den dänischen Grammy weggeschnappt haben, war ich schon etwas angepisst. Aber sie haben uns danach zum Essen eingeladen, weil sie wussten, dass das eigentlich unsrer hätte sein sollen. Die haben nicht nur uns den Award weggeschnappt, sondern unsere gesamte Karriere gestohlen.

Niels-Kristian: Und das ganze Geld!

(alle lachen)

Annemi: Über Österreich gibt es ja genügend Klischees, wie zum Beispiel as Jodeln, oder dass wir die ganze Zeit in Lederhosen herumhüpfend Apfelstrudel essen würden. Gibt es so was Ähnliches auch über Dänemark zu sagen?

Rasmus: Kannst du denn Jodeln?

Annemi: Nein.

Rasmus fragt den Fotografen/Redakteur Philip, der aber verneint mit der Entschuldigung, dass er Deutscher sei. Woraufhin Rasmus sich kurz selbst am Jodeln versucht.

Rasmus: Hmm, ich glaube die meisten Leute denken das alle Dänen blond sind. Schau uns mal an, das trifft doch überhaupt nicht zu.

Niels-Kristian: Schau uns an, wir sehen aus wie Zigeuner.

Rasmus: Zigeuner? Ja, das passt.

(alle lachen)

Als Philipp (Fotograf und Redakteur) die Jungs fragt wie es denn LEGO so gehen würde, entfacht eine Diskussion über die bunten Bausteine die anscheinend wirklich jeder mag. Gitarrist Niels-Kristian gibt auch zu sie schon das eine oder andere Mal verzehrt zu haben.

Rasmus: Und etwas gibt’s noch. Die Leute denken immer, dass Dänemark die Hauptstadt von Schweden sein, und dann fragen sie auch noch ob wir Eisbären bei uns hätten.

"... es gab keine Albumrezensionen wo nicht ihr Name abgedruckt wurde ..."

Annemi: Die Presse scheint euch noch ganz gerne an euren vergangenen Affären aufzuhängen (Anm.: Rasmus hatte angeblich ein Techtelmechtel mit Supermodel Helena Christensen). Wie schwierig ist es von so einem Image loszukommen, wo private Dinge wichtiger genommen werden als die Musik?

Rasmus: Das steht immer noch in den Medien?

Marc: Wir haben das immer so gut es ging versucht zu vermeiden, dass andere Dinge wichtiger genommen werden als die Musik.

Rasmus: Das ist aber auch schon eine Weile her und es war damals wirklich hart für uns. Es gab keine Albumrezession wo nicht ihr Name abgedruckt wurde. Das war wirklich lächerlich. Bei unserem Album oder unserer Band geht es um die Musik, und das hat rein gar nichts mit ihr zu tun.

Niels-Kristian: Das zerstört einfach sehr viel. Vielleicht schreibst du nicht darüber sondern darüber, dass … (denkt nach)

Marc: Das wir alle schwul sind.

(alle lachen)

Annemi: Ehrlich, dass soll ich schreiben?

Es wird weiter gelacht und als ich dann noch die Frage nach ihrem persönlich größten Erfolg stelle, schwärmen die Jungs von ihrer Supportshow für ihren schwulen Freund George Michael, dass Sänger Rasmus vergessen hatte seinen Hosenstall zu schließen und tausende von Menschen freien Blick auf seine Kronjuwelen hatten und dass das George Michael sicher gefreut hat.

(Quelle: www.cycamp.at)