image
Tagblatt vom 04.05.2010: Grossartiges Konzert von «Grand Avenue» PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Donnerstag, 6. Mai 2010

WIL. Am Sonntagabend gastierte «Grand Avenue» im Kulturbahnhof Gare de Lion. Wil war die letzte Station der Dänen nach Zürich, Luzern und Bern. Grossartig war das Konzert, gross ist auch das Defizit für die Betreiber des «Gare de Lion».

Bild: mhu

Eindringliche «Grand-Avenue»-Stimme: Frontmann Rasmus Walter Hansen am Sonntagabend im «Gare de Lion». Bild: mhu

michael hug

«Grand Avenue» ist immer noch, auch acht Jahre nach der Gründung, in der Schweiz ein Geheimtip. Dänemark gilt, wie Helvetien, nicht gerade als Rockmusik-Exporteur. Auch im Norden wird eher konsumiert als produziert, und nicht zuletzt findet in Dänemark am jährlichen Roskilde-Festival eines der grössten Open Airs weltweit statt. Bekannte Musikernamen verbindet man aber nicht mit Dänemark.

Doch seit 2001 gibt es im kleinen Staat zwischen Nord- und Ostsee einen Exportschlager, der in Skandinavien und England bereits Widerhall gefunden hat. Seit einiger Zeit wird «Grand Avenue's» aktueller Hit «Almost Gone» auch in Schweizer Radios gespielt. Dabei dürfte es aber vor allem ein ganz bestimmter Umstand sein, dass man auf «Grand Avenue» aufmerksam wird: Es tönt wie «U2».

Klingt wie U2

Davon überzeugen konnten sich am Sonntagabend im «Gare de Lion» sowohl Unbedarfte als auch Fans der ersten Stunde. Fast zwei Stunden standen Rasmus Walter Hansen (Gesang, Gitarre), Niels-Kristian Bærentzen (Gitarre), Marc Stebbing (Bass) und Hjalte Thygesen (Schlagzeug) auf der Bühne. Präsentiert wurde vor allem das neueste, dritte Album «Place to Fall» aus dem Jahr 2009. Es ist eingängige und -dringliche Musik zum Träumen und Abdriften.

Hier macht sich die Arbeit von Richard Rainey, dem Produzenten des U2-Albums «All That You Can't Leave Behind» bemerkbar. Der Grammy-Gewinner hat «Grand Avenue» für ihr aktuelles Album unter seine Fittiche genommen. Und nun ist der Kreis geschlossen: «Grand Avenue» ist sozusagen eine dänische Patenkind-Ausgabe der irischen Weltband U2.

Trotzdem keine Kopie

Doch eine Kopie ist es nicht. Es tönt zwar fast gleich, bleibt aber eigenständig. «Give myself away» und alle anderen Songs sind selbstbewusst komponiert und werden ebenso selbstbewusst ans Publikum getragen. Viel zu klein ist dafür allerdings der «Gare de Lion». «Grand Avenue» würde auch im Hallenstadion noch jede Ecke mit wuchtiger Dynamik füllen.

Andererseits käme sich dort das Grüppchen der rund einhundert Fans, die am Sonntag zum Gare hinaus pilgerten, ziemlich verloren vor. Lieber eine volle Remise statt ein leeres Stadion, dafür nehme er auch Unzulänglichkeiten beim Sound in Kauf, sagte Gare-Booker Michael Sarbach. Ihm war es gelungen, die Dänen auf ihrer kleinen Schweizer Tournée nach Zürich, Luzern und Bern auch nach Wil zu holen. «Gelohnt hat sich das ganz bestimmt», so Sarbach, «wenigstens für die Stimmung. Eher weniger für die Kasse!» Doch internationale Bands, selbst wenn sie im Newcomer-Status stehen, seien nicht gratis zu haben.

«Grand Avenue» ist hochprofessionell organisiert und mischt im Business mit wie die «Grossen»: In 24 Tagen gibt das Quartett auf ihrer Frühlings-Tournée durch Nord- und Mitteleuropa 19 Konzerte.

 

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 6. Mai 2010 )